Whiskytasting: Schätze aus dem Hause Signatory

Wenn ein Line-up verspricht, dass (fast) keiner der verkosteten Whiskys jünger als 21 Jahre ist, dann steht einem genussvollen Abend wohl nichts im Wege…

In diesem Fall stammten alle verkosteten Abfüllungen aus der “Cask Strength Collection” von Signatory, präsentiert an diesem Abend im Brühler Whiskyhaus von Frank Mann, einem wahren Schottland Liebhaber und Whisky Connaisseur, der charmant und informativ durch das Tasting führte.

Zur Einstimmung hielt das Line-up einen 25jährigen Auchentoshan von 1992 aus den Lowlands bereit, gereift in einem Bourbon Barrel (Cask #549) und abgefüllt mit 49,9% vol. (0,7 Liter, 159,90 €). Sehr harmonisch abgestimmt und ein wahrer Gaumenschmeichler, der trotz seiner 25 Jahre erstaunlich frisch daher kommt. Zitrus- und Honignoten empfangen die Nase, kandierte, helle Früchte, Banane, Mirabelle, getragen von einer deutlichen Eichenholznote. Ich bin ja sonst kein großer Auchentoshan-Anhäger, aber diesen kann man sich zu Beginn eines Abends durchaus gefallen lassen. Auch im Mund bleibt die Frische erhalten, Zitrone, Aprikose, Honig, florale Noten und die cremige Textur umschmeicheln den Gaumen. Im Nachklang dann deutlich würziger, mehr Eiche und leicht trocken.

Lost Distillery

Insgeheim hatte ich im Vorfeld ja gehofft, dass an diesem Abend noch ein alter Single Grain auf die Gäste wartet und ich wurde nicht enttäuscht. Ein 34jähriger Carsebridge, Vintage 1982, aus einem Refill Sherry Hogshead (Cask #74689, 168 Flaschen), abgefüllt mit 48,8% vol. (0,7 Liter, 279,00 €). Mit welchem Sherry das Fass vorbelegt war, ist nicht bekannt.

1799 in Alloa nahe Sterling gegründet, ist die Brennerei Carsebridge nun schon seit 1983 geschlossen. Anfangs produzierte sie nur Malt Whisky, stellte ihre Produktion mit der zunehmenden Verbreitung und Popularität von Blended Whiskys jedoch vollständig auf Grain um. Die Spuren der Brennerei sind heute vollständig verschwunden. 1992 wurden die letzten Gebäude abgerissen. Was bleibt, sind Fässer wie dieses hier, die hin und wieder bei unabhängigen Abfüllern erscheinen. Dies mag in diesem Fall auch den, für einen Single Grain Whisky, etwas höheren Preis rechtfertigen.

Den Genießer erwartet ein vielschichtiger und fruchtiger Whisky. Würzig in der Nase, süßlich, etwas Puderzucker, Karamell, trockene Früchte (getrocknete Feigen, getrocknete Aprikosen) gepaart mit einer dezenten Pfeffrigkeit, Sherry und Anklängen von Milchschokolade. Zunächst weich am Gaumen und weniger süß als erwartet, schließt sich direkt dahinter ein leichtes Prickeln an und eine angenehme Pfeffrigkeit breitet sich aus. Diesen Single Grain kann man eine ganze Weile im Mund lutschen, ohne dass er auch nur ansatzweise scharf oder trocken wird. Es ist dann eher der Sherry, der nach und nach durch kommt zusammen mit er Würze aus dem Fass. Ich schaue in durchweg zufriedene Gesichter…

Glen Grant

Es scheint so, als würden wir an diesem Abend von Süden in den Norden Schottlands reisen. Erst Auchentoshan, dann Carsebridge und nun geht es nach Rothes in die Speyside zu einer der ältesten dort ansässigen Brennereien. Die Rede ist von Glen Grant, gegründet 1840 durch die Brüder John und James Grant. Von Glen Grant gibt es bekanntlich eine riesige Bandbreite an Abfüllungen in allen Preisklassen, vom günstigen Glen Grant Major’s Reserve unter 20 € bis hin zu exklusiven Jahrgangswhiskys, ist alles vertreten.

Hier haben wir es mit einem 22jährigen Glen Grant von 1995 aus zwei Bourbon Barrels (Cask #88213 + 88214), abgefüllt mit 50,8% vol. zu tun (0,7 Liter, 104,90€) und mit dem wir der bislang fruchtigen Linie des Abends treu bleiben. Pfirsich, Birnen- und Apfelaromen steigen in die Nase auf, dazu eine leicht bittere, frisch geschälte Grapefruit. Ich hatte zu Anfang mehr Vanille aus den Bourbonfässern erwartet, die kündigt sich allerdings erst ganz dezent hinten an und auch nicht in Form eines kräftigen Vanillemarks, sondern eher an Vanillesahne erinnernd. Malzig, leichte Süße und dazu ein wenig Biskuitteig runden den ersten Eindruck ab. Am Gaumen ist die Zitrusnote ausgeprägter, die Grapefruit kommt noch einmal stärker durch. Ölig, prickelnd legt sich der Glen Grant auf die Zunge mit kandiertem Ingwer, Apfelschreiben, Malz und würziger Eiche.

Ein Tipp für alle diejenigen, die bei dem aktuellen Glen Grant aus der Local Dealer Selection einiger Händler nicht mehr zum Zuge gekommen sind.

My Laddie Love

Zugegeben, wenn ich den Namen Bruichladdich auf einer Flasche lese, bin ich immer ein wenig voreingenommen. Es handelt sich einfach um meine Lieblingsbrennerei auf Islay (dicht gefolgt übrigens von Bunnahabhain, Caol Ila und Kilchoman). Wenn ich dann noch lese, dass in der Cask Strength Collection ein 26 jähriger Laddie von 1990 aus einem Refill Sherry Butt (Cask #172) erschienen ist, dann steigt noch einmal die Vorfreude. Mit 56,0% vol. kam er in die Flasche. Günstig ist er nicht. 234,90 € (0,7 Liter) ruft mir das Preisschild entgegen. Aber zum Glück gibt es ja Tastings wie dieses heute Abend…

Der Sherry hält sich in der Nase erstmal ein wenig zurück. Feuchtes Stroh, Gras, Keksteig und Frischkäse und eine würzige Eichenholznote sind eher das, was sich anfangs wahrnehme. Die Sherrynoten kündigen sich langsam an; wollen ergründet werden. Feige, Erdbeere, Johannisbeere und ein Hauch von Liebstöckel. Der Antritt ist kräftig, vollmundig und würzig. Pfeffer, Heidekraut, Johannisbeergelee, ein bisschen Kaffee, Malz und Sherry. Absolut gelungen!

Atholl Highlanders

Von Islay geht es wieder in die Highlands, diesmal zu der schon 1798 in Pitlochry, zunächst unter dem Namen Aldour, gegründeten Brennerei Blair Athol. 29 Jahre durfte dieser 1988er Single Malt in einem nicht näher bezeichneten Hogshead (Cask #4856) reifen und kam mit 54,1% vol. in die Flasche. Zu Anfang strömt ein leicht muffiger Geruch in die Nase, etwas staubig, wie ein alter Kartoffelkeller, erdig, nasser Waldboden und Moos. Er öffnet sich nach und nach, gibt helle Fruchtnoten, Malz und Würze frei, ohne dass ich es ad hoc genau bestimmen könnte. Ein wenig kandierte Orange vielleicht, Banane und ein dezentes Zitrusaroma, hat am Gaumen dann aber eher was von frischen Cranberries, Tabak, Walnuss und viel Eiche. Sehr trocken, zieht einem förmlich den Mund zusammen. Wer es da etwas lieblicher und verspielter mag, dem sei zu dieser Abfüllung nicht geraten. Im Nachklang würzig, trocken mit der dezenten Bitterkeit einer Moccanote.

Eine kleine Anekdote erzählt Frank Mann noch am Rande. Nicht unweit der Ortschaft Pitlochry liegt die 1269 erbaute Burg Blair Castle, Familiensitz der Familie Murray. Familienoberhaupt ist er Duke of Atholl, der sich seit jeher zum Schutz eine kleine Privatarmee, die sog. Atholl Highlanders unterhält. Es handelt sich um die bis heute einzige legale Privatarmee Europas, dient allerdings nur noch zeremoniellen Zwecken.

Clynelish

Den Abschluss des Abends bildet ein 20 jähriger Clynelish von 1995 aus einem Refill Sherry Butt, gebrannt am 26.09.1995 und abgefüllt am 30.08.2016 mit 52,4% vol. (Cask #8689, 613 Flaschen). Hätte man bei Signatory noch ein paar Wochen gewartet, hätte auch dieser die 21 Jahre voll gehabt. Aber letztlich sind das nur Zahlen…

Der wachsige Charakter des Clynelish ist direkt da. Kerzenwachs, etwas Honig und direkt danach der Sherry, allerdings mit einer doch wahrnehmbaren Schwefelnote. Mich stört der Schwefel hier nicht, aber dem ein oder anderen mag dies schon zu viel sein. Ich hatte schon ein paar 95er Clynelishs aus der Cask Strength Collection von Signatory, allerdings gefielen mir diese Fässer besser. Etwas Karamell, dunkle Früchte und Röstnoten sind da, aber insgesamt wirkt er mir zu unausgewogen. Süßlich, prickelnd am Gaumen, schöne, intensive Pflaumennote, Kirsche. Die Früchte sind auf einmal viel präsenter. Etwas Pfeffer, würzige Eiche und ein Hauch Karamell. Im Geschmack gefällt er mir deutlich besser, als in der Nase. Der Clynelish öffnet sich mit der Zugabe von Wasser, wird damit nussiger und die Fruchtaromen gelangen mehr zur Entfaltung.

Fazit

Es passiert mir bei vergleichbaren Line-ups immer häufiger, dass mir am besten ein alter Grain Whisky gefällt. So auch hier. Favorit des Abends war für meinen Geschmack der Carsebridge Single Grain, gefolgt vom 26 Jahre alten Bruichladdich. Auf Platz 3 schaffte es der Glen Grant, der sich allerdings den Titel als Preis-Leisungs-Sieger holt. Vielen Dank an Frank Mann und das Brühler Whiskyhaus für die Präsentation!

Björn Bachirt

 

 

 

 

 

 

, , , , , , ,
Vorheriger Beitrag
Springer und Port: Springbank Society Bottling 15 Jahre Port Finish
Nächster Beitrag
Der Floki Single Malt Whisky: Sheep Dung Reserve und zwei weitere Neuheiten aus Island

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

*

Menü