fosm.de Blind Tasting Challenge: Torf oder lieber nicht?

Peter Moser veranstaltet auf seinem Blog Friends of Single Malt, kurz fosm.de, regelmäßig im Kreis der Whiskyblogger Blind Tastings. Mittlerweile befinden wir uns schon in der 16. Runde und widmen uns der Frage: Torf, oder lieber nicht?

Ich behaupte mal, kaum etwas schult so sehr die Geschmackssinne wie ein Blind Tasting. Unvoreingenommen, ohne jegliche Vorkenntnis und ohne Beeinflussung durch Markenname, Alter, Alkoholgehalt und Fässart setzt man sich mit dem Thema Whisky noch einmal ganz anders auseinander. Bei der Blind Sample Challenge von fosm.de verschickt Peter Moser in regelmäßigen Abständen bis zu vier, nicht näher bezeichnete, Sample zu einem bestimmten Thema. Der aktuellen Challenge habe ich mich einmal gestellt.

Wer war noch dabei?

Mit dabei waren diesmal folgende Blogs:

Um was ging es?

Es ging um eine schottische Destillerie, die auch torfigen Whisky herstellt. Können die Teilnehmer torfigen von nicht torfigen Whiskys unterscheiden und welche Destillerie produziert eine solche Bandbreite?

Aufgabe 1: Aus welcher Destillerie stammen die vier Sample?

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, diese vier Blind Sample an vier Abenden hintereinander einzeln zu verkosten und dann im Abstand von einer Woche noch eine zweite Runde einzulegen. Ein guter Vorsatz, der sich aus Zeitgründen mal wieder nicht halten ließ. Letztlich wurde daraus eine kurze Querverkostung an einem Abend.

Der Hinweis, dass es sich um eine schottische Destillerie handelt, die sowohl torfigen, als auch nicht torfigen Whisky herstellt, führt schon dazu, dass es im Kopf mächtig anfängt zu rattern, man aber auch nicht mehr ganz „unbelasted“ in das Blind Tasting geht. Es gibt ja doch nicht wenige schottische Brennereien, die mittlerweile eine solche Bandbreite anbieten und ich fange direkt an, nach bekannten Mustern zu suchen.

Aber bereits Sample #1 hätte ich zunächst gar nicht in Schottland verortet. Der doch etwas jugendlich anmutende, fruchtige Charakter will nicht so recht zu einem Whisky passen, den ich bislang probiert habe und vor allem aus einer Brennerei stammt, die auch rauchigen Whisky herstellt. Auch Sample #2 hilft da nicht so richtig weiter. Rauchig würde ich spontan sagen, aber dieser Rauch hat zunächst so gar nichts Vertrautes. Sample #3 und Sample #4 gehen in eine ähnliche Richtung, Lagerfeuer, Asche, jedoch weitaus intensiver.

Nachdem ich alle vier durchprobiert habe, bin ich genauso schlau wie am Anfang. Irgendwas passt einfach immer nicht ganz zusammen. Spontan ging es bei den rauchigen in Richtung Kilchoman, aber dazu passt das erste Sample so gar nicht. Auch Bruichladdich (mit den Marken Laddie, Port Charlotte, Octomore) schließe ich vom Charakter her aus. Für Tobermory/Ledaig (Isle of Mull) bzw. Edradour/Ballechin (Highlands) fehlen mir die speckigen Noten im Rauch. Springbank/Longrow (Campbeltown) will auch nicht so recht passen. Das waren jedenfalls (bis auf Kilchoman) die ersten Brennereien, die mir so durch den Kopf gingen, wenn es um die Herstellung von rauchigem und nicht rauchigem Whisky geht. Vielleicht handelt es sich um eher junge Bunnahabhain, zum Teil heavily peated? Aber hier fehlt mir irgendwie der maritime Einschlag. Von den “Inseln” scheinen diese Sample jedenfalls nicht zu kommen. Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, wie etwa Tomatin, GlenDronach oder Glenglassaugh, aber zumindest bei den beiden letztgenannten fehlte mir bei allen Samplen der massive Sherryeinfluss, und es sollte sich ja um Abfüllungen handeln, die allgemein erhältlich sind.

Was Gescheites fiel mir zu den vier Kandidaten nicht ein, weshalb mein Tipp schließlich auf Ardmore fiel, nur um später zu erfahren, dass die Brennerei dann doch wohl nicht so starke Raucher in der Core Range zu bieten hat und deshalb nicht zu Sample #3 und #4 passen konnte.

Die Auflösung: Alle vier Sample stammten aus der Brennerei BenRiach! Liebhaber und Kenner dieser Destillerie hätten hier wohl durchaus eine Chance gehabt, den Charakter wiederzuerkennen. Ich hatte tatsächlich noch keinen BenRiach im Glas, warum auch immer… Gratulation an dieser Stelle an Stefan Unger von Whiskyzoom, der den richtigen Riecher hatte. Wenigstens war ich gedanklich schon mal in den Highlands unterwegs…

Aufgabe 2: Welcher gefällt am besten?

Mit gefiel eindeutig Sample #4 am besten, nicht zuletzt wegen des starken Rauchgehalts und der Fassstärke, in der dieser Single Malt abgefüllt wurde. Aber dazu gleich mehr…

Blind Sample Challenge by fosm.de

Aufgabe 3: Um welches Produkt handelt es sich (Alkoholstärke, Fass, Alter, peated/unpeated)

Sample #1

Begann eher frisch, nicht rauchig, fruchtig, mit Honig, Malz, Beeren, Apfel, frisch geschnittenem Holz und Walnuss. Am Gaumen sehr weich, leicht und gefällig, mit einem Hauch Vanille, Walnuss, Beeren und würziger Eiche und mit eher kurzem Finish aus leichten Bitternoten, Holz und Kaffee. Gerade diese dezente Nussikgeit ließ mich auf eine Abfüllung mit Sherryeinfluss schließen, wenngleich wohl auch keine Vollreifung, allenfalls ein Whisky aus einem Refill Sherry Hogshead.

Mein Tipp:
Single Malt
unpeated
Refill Sherry Hogshead
43% vol.
8 Jahre Reifung

Auflösung:
BenRiach, 10 Jahre, 43% vol., unpeated, Ex-Bourbon / Ex-Sherryfässer, Single Malt Scotch Whisky

Sample #2

Vom Charakter schon ganz anders als Sample #1. Leichte Rauchnote, kaltes Lagerfeuer, hellere Früchte, Vanille. Wirkt am Gaumen reifer, vollmundiger als Sample #1, welches demgegenüber eher flach daher kam.

Meint Tipp:
Single Malt
peated
Bourbon Cask
46% vol.
10 Jahre

Auflösung:
BenRiach Curiositas, 10 Jahre, 46% vol., peated, Oak Casks, Single Malt Scotch Whisky

Sample #3

Rauch, Asche, Lagerfeuer, Vanille, Zitrusnoten, Grapefruit, Heidekraut, Gräser.

Mein Tipp:
Single Malt
peated
Bourbon Cask
10 Jahre
52% vol.

Auflösung:
BenRiach Birnie Moss, NAS, 48% vol., peated, Ex-Bourbon, Single Malt Scotch Whisky

Sample #4

Kraftvoller, intensiver Antritt, Rauch, Lagerfeuer, Honig, helle Früchte, Aprikose, Pfirsich, Shortbread, leichte Pfefferschärfe auf der Zunge.

Mein Tipp:
Single Malt
peated
Bourbon Cask
56% vol.
12 Jahre

Auflösung:
BenRiach Peated Cask Strength – Batch 1, 56% vol., NAS, peated, Ex-Bourbon / Ex-Oloroso, Single Malt Scotch Whisky

Fazit

Spannende Erfahrung mit einem interessanten Line-Up. Durchaus vielschichtig, was BenRiach da selbst in der vermeintlichen Core Range anzubieten hat. Da wäre ich mangels Vergleich nicht drauf gekommen. Immerhin lag ich teilweise bei Fassart, Alter und Alkoholstärke ganz gut mit meinem Tipp. Vielen Dank an Peter Moser und fosm.de für die Gelegenheit. Fortsetzung folgt…

Den gesamten Artikel zu dieser Blind Sample Challenge von fosm.de mit den Beiträgen der anderen Blogger verlinke ich zum nachlesen hier.

Björn Bachirt

Links

16. Blind Sample Challenge by fosm.de

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