Kilchoman Ten Years Old – The Kilchoman Club, Sixth Edition 2007/2017

Aktuell scheine ich von frischen Bourbonfass-Reifungen in Fassstärke nicht loszukommen, denn schon wieder ist eine derartige Abfüllung in meinem Glas gelandet – die sechste Edition der limitierten Kilchoman Club Edition. 

Als ich mir die Merkmale der aktuell leider nicht mehr verfügbaren Edition angesehen hatte, musste ich mir ein Flasche ordern und gleich noch ein Sample dazu. Dieser Small Batch Release besteht aus einem Vatting von insgesamt fünf Fässern mit den Nummern No. 383, 384, 385, 387 & 388, alle aus dem Jahr 2007. Gebrannt am 01.11.2007 und abgefüllt am 20.11.2017 mit 57,4% vol. kommt dieser Single Malt auf ein Alter von 10 Jahren, absolut naturbelassen, d.h. nicht gefärbt und nicht kältefiltriert. Er repräsentiert das, wofür Kilchoman von Liebhabern der Brennerei hoch gelobt wird – tolles Destillat und hervorragende Fässer.

Bevor ich darauf näher eingehe, noch kurz ein paar Worte zur Destillerie selbst.

Kilchoman, Rockside Farm, Islay

Im Gegensatz zu so vielen anderen schottischen Destillen kann Kilchoman nicht auf eine jahrhundertelange wechselvolle Geschichte aus Besitzerwechseln, Schließungen und Wiedereröffnungen zurückblicken. Es handelt sich vielmehr um die derzeit (noch) jüngste in Betrieb befindliche Brennerei auf Islay (jedenfalls solange, bis Ardnahoe seine Produktion aufnimmt).

Zuvor wurde seit mehr als 120 Jahren auf der Hebriden Insel keine neue Destillerie mehr gebaut, jedenfalls bis Anthony Wills sich in den Kopf setzte, das zu ändern. Laut einem Interview, welches er im Jahr 2015 Becky Paskin von scotchwhisky.com gab, kostete es ihn ganze vier Jahre sowie sein eigenes Vermögen, das Startkapital von ca. 1 Mio. Pfund Sterling zusammen mit Hilfe privater Investoren, die sich offenbar mit Steuererleichterungen von 40% locken ließen, zusammen zu bekommen (das ausführliche Interview findet Ihr hier).

Die verfügbaren finanziellen Mittel genügten jedoch bei weitem nicht, um die Produktion ans Laufen zu kriegen. Von daher musste Anthony Wills noch einmal ca. 3 Mio. Pfund Sterling nachfinanzieren. Man bedenke, dass allein schon drei Jahre Wartezeit überbrückt werden mussten, bis die ersten Fässer abgefüllt werden konnten. Währenddessen liefen die Produktionskosten weiter, ohne dass diesen nennenswerte Einnahmen gegenüberstanden. Erschwerend kam noch hinzu, dass im Jahr 2006 der eigene Kiln und ein Teil der Malzböden bei einem Feuer zerstört wurden und neu gebaut werden mussten.

Als einzige bisher produzierende Islay-Destillerie liegt Kilchoman nicht direkt am Meer, sondern etwa zwei Kilometer landeinwärts von der an der Westküste gelegenen Machir Bay. Dort, genauer gesagt auf der Rockside Farm, wird sogar eigene Gerste für die Produktion angebaut, welche auf eigenen Malting Floors getrocknet wird. Damit deckt die Destillerie freilich nur einen Teil des Bedarfs ab. Die übrige Gerste wird aus der Großmälzerei in Port Ellen bezogen.

Bei der Produktion setzt Kilchoman auf eine heute eher unüblich lange Fermentationszeit. Während viele schottische Brennereien zur Erhöhung der Produktionsmenge diese auf ca. 40 – 50 Stunden reduziert haben, beträgt die Fermentationszeit bei Kilchoman mehr als 100 Stunden. Dies soll für ein besonders sauberes, frisches und florales Destillat sorgen, welches nicht so viel Zeit braucht, um bei der Fassreifung ein gutes Ergebnis zu erzeugen. Die jüngeren Abfüllungen, wie etwa der Machir Bay oder Sanaig, liefern den Beweis dafür.

In einem Interview im Rahmen der 10th Anniversary Tour für den Blog whiskyundfrauen.de (dieses findet ihr hier) äußerte James Wills (Sohn des Gründers Anthony Wills), dass er langfristig gesehen, also bei 10jährigen und älteren Whiskies, eine Vollreifung in Bourbon-Fässern bevorzugen würde, weil diese charakterlich sehr gut zu dem Destillat passt.

Nun, mit der aktuellen Club Abfüllung wurden diese Vorstellungen in die Tat umgesetzt. Und es zeigt sich, dass frische Bourbon-Fässer tatsächlich außerordentlich gut mit dem Brennereicharakter harmonieren.

Kilchoman Ten Years Old, The Kilchoman Club, Sixth Edition

Der Kilchoman präsentiert sich, weil naturbelassen und nicht gefärbt, in einem ehrlichen, an fahles Stroh, erinnernden, blass goldenen Farbton.

Direkt nach dem Einschenken steigt mir eine typische Kilchoman-Rauchnote in die Nase, die an Holzkohle und kalte Asche erinnert – deutlich spürbar, aber dennoch nicht allzu dominant.

Grasige Noten, feuchtes Stroh, nasses Heu ergänzenden den ersten Eindruck. Dieser Malt wirkt auf mich zunächst sehr kräutrig mit etwas Säure und einem Hauch Vanille im Hintergrund. Die typischen Bourbonfassnoten entwickeln sich scheinbar nur sehr langsam, so dass er etwas mehr Zeit und Luft im Glas bekommt.

Etwas Anis, Malz und grüner Apfel, nun mit mehr Vanillearomen steigen in der Nase auf. So ganz öffnen will er sich mir aber scheinbar immer noch nicht, so dass ich diesmal etwas Wasser zugebe. Jetzt dominieren auf einmal fruchtige Aromen, die ich vorher in dieser Intensität nicht wahrgenommen habe. Frisch geschälte Mandarinen. Die Mandarinenschalen liegen noch daneben, verströmen diesen herb-bitter-süßlichen Duft, Orangenzesten, ein wenig Birne – alles sehr stimmig und ausgewogen. Der Rauch ist jetzt nur noch ganz dezent im Hintergrund spürbar, sehr subtil und aromatisch.

Der Antritt am Gaumen ist kräftig, prickelnd, nun mit einer deutlichen Eichennote, immer noch grasig und mit öliger Textur. Auch hier fördern ein paar Tropfen Wasser den fruchtigen Charakter. Die Mandarine wird nun wieder präsenter, mehr Apfel und Vanille. Zudem wird das Mundgefühl jetzt cremiger.

Im Nachklang kommt etwas mehr Rauch hinzu, lang, wärmend und nun doch mit einer sehr deutlichen Eichenfracht. Mag ich eigentlich nicht so sehr, hier allerdings stört es mich ausnahmsweise nicht, weil immer noch die fruchtigen, leichten Aromen überwiegen. Er ist weder besonders trocken noch allzu bitter. Mit Wasser verschwindet der Rauch zunehmend. Es bleiben Vanille, Apfel und Mandarinenschale.

Fazit

Geniale Abfüllung aus dem Hause Kilchoman. Wunderbar ausgewogen, rauchig, leicht süßlich-malziges Aroma mit herrlichen Fruchtkomponenten. Liebhaber reiner Bourbonfass gelagerter, rauchiger Islay Whiskies werden hieran ihre Freude haben.

Die Bilder der Brennerei wurden mit freundlicher Genehmigung von Alba Import verwendet.  Vielen Dank an Brand Ambassador Dirk Ehlig-MacLeod! Die übrigen Bilder stammen von mir.

Der Dank für das zusätzliche Sample zur Flasche geht heute an Benjamin Becker von The Two Staves – whisky, drams and more.

Björn Bachirt

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