Murray McDavid Select Grain: 1988 North British 28 Jahre, Koval Rye Finish

Der heutige Tagebucheintrag handelt von einem 28 Jahre alten Single Grain aus dem Jahr 1988 mit einem interessanten Finish in zwei Fässern, die zuvor amerikanischen Roggen (Rye) Whisky enthielten.

Seit mein lieber Freund Marco Bonn vom Brühler Whiskyhaus mich das erste mal mit einem 25 Jahre alten North British des unabhängigen Abfüllers A. D. Rattray aus einem Sherry Butt für Single Grain Whisky begeistern konnte, bin ich immer wieder auf der Suche nach vergleichbar schönen Abfüllungen. Auf meiner Reise bin ich diesmal auf einen 28 Jahre alten North British des unabhängigen Abfüllers Murray McDavid gestoßen, von dem ich mir aus einer Flaschenteilung ein Sample besorgt habe. Das besondere an diesem Single Grain: Der Whisky reifte zunächst in einem Hogshead und wurde dann in zwei frische Fässer aus der amerikanischen Koval Distillery umgefüllt, in denen sich zuvor Rye Whisky befand (Cask No. 6008969 & 6018969). Das Destillat stammt zu 100% aus Mais.

Murray McDavid

Die stillgelegte Coleburn Distillery im Herzen der Speyside beherbergt heute den unabhängigen Abfüller Murray McDavid, welcher 1996 von Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright gegründet wurde. Benannt ist die Firma nach Mark Reyniers Großeltern Harriet Murray und Jock McDavid.

Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright, wahre Ikonen der Branche, waren auch maßgeblich für die Wiederauferstehung der Islay-Brennerei Bruichladdich Anfang dieses Jahrtausends verantwortlich (im Rahmen meines Erfahrungsberichts zur Octomore Masterclass Tour bin ich ein wenig näher auf die handelnden Personen eingegangen – den Artikel findet Ihr hier). Es verwundert daher auch nicht, dass Bruichladdich und Murray McDavid eine Zeit lang Hand in Hand zusammenarbeiteten und Master Distiller Legende Jim McEwan auch diejenigen Fässer aussuchte, welche bei Murray McDavid abgefüllt wurden.

Mit dem Verkauf von Bruichladdich ging auch Murray McDavid zunächst an den Konzern Remy Contreau über. Dieser verkaufte die Firma allerdings sodann im Jahr 2013 an Aceo Ltd. Die Firma Aceo war bis dato nur als Zulieferer für die Whiskyindustrie bekannt. Sie übernahm für die Brennereien beispielsweise Serviceleistungen wie Abfüllung, Etikettierung und Fasslagerung. Nachdem mit dem Inhaberwechsel zunächst etwas ruhiger um Murray McDavid wurde, erscheinen nun wieder vermehrt neue Abfüllungen unter diesem Label. Derzeit existieren die Serien Mission Gold, Benchmark, Mystery Malt, Select Grain, The Vatting und Crafted Blend.

Allerdings schwören einige darauf, dass diese neuen Abfüllungen nicht mehr mit der Qualität der Fässer zu vergleichen sind, welche noch unter der Ägide von Mark Reynier und Jim McEwan erschienen sind.

Mal sehen, wie sich dieser Single Grain mit dem Frist Fill Koval Rye Cask Finish, abgefüllt 2017 mit 46% vol., so schlägt.

Murray Mc David Select Grain: North British 1988, 28 Jahre

North British 1988, 28 Jahre, 1st Fill Koval Rye, 46% vol.

Besonders gespannt bin ich natürlich darauf, wieviel Einfluss das Koval Rye Whisky Finish denn nun auf das Destillat genommen hat. Einige die diesen Single Grain bereits verkostet hatten wussten über ein kräftiges Roggenaroma zu berichten.

Davon merke ich selbst allerdings anfänglich wenig. Stattdessen sind es erst einmal intensive Fruchtnoten die in die Nase aufsteigen, vor allem zart bitter-süße Orangenschalen und Clementinen, so als lägen die Früchte direkt frisch geschält vor mir. Dieser Duft bleibt stets präsent und wird getragen von einem cremigen Vanillearoma mit kandierter Ananas. Erst nach einer Weile treten die Getreidenoten stärker in den Vordergrund und lösen bei mir eine Assoziation nach Buchweizenpfannkuchen aus. Und nun meine ich auch eine intensive Roggennote zu erkennen, gepaart mit noch mehr Vanille und einer herb-süßen Lakritzstange.

Am Gaumen vermittelt dieser Single Grain ein wunderbar cremiges Mundgefühlt, wie Eiscreme mit Vanille und Ananas, süßlich und zugleich leicht herb und bitter, wie Orangenzesten und dazu Ingwer und Getreide. Nun ist auch der Roggen wieder da, aber für mich dennoch eher subtil.

Der Nachklang ist immer noch sehr fruchtig, Orange, Clementine und Orangenschale bleiben lange mit einer leichten Bitterkeit, Eiche und wieder dieser Lakritznote, die ich schon in der Nase vernommen hatte.

Insgesamt eine sehr schöne, wenngleich doch recht ungewöhnliche Single Grain Abfüllung aus dem Hause Murray McDavid. Würde ich mir wahrscheinlich noch mal ein Sample von zulegen.

Vielen Dank an Andreas Jäger für die Flaschenteilung und für die Bilder zu diesem Beitrag!

Björn Bachirt

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