Bunnahabhain Handfill Warehouse, 12 Jahre, Manzanilla Cask #331

Bekanntlich kommen Besucher schottischer Whiskybrennereien nicht selten in den Genuss, unter dem Motto „Fill your own bottle“ sich aus einem Fass eine eigene Flasche abfüllen und diese eigenhändig beschriften zu dürfen. Julia Sophia Sturm hat daraus mal eben „Fill your own bottle for friends“ gemacht und mir ein Sample des Bunnahabhain, 12yo Manzanilla Cask #331, abgefüllt mit 51,3% vol., geschickt.

Früher fand ich Mitbringsel aus dem Urlaub zumeist wenig berauschend. Bei diesem Geschenk sah das „erstaunlicher Weise“ ganz anders aus. Zu meiner großen Überraschung erhielt ich unverhofft ein kleines Paket mit einer Miniatur dieses exklusiven Handfills aus einer meiner Lieblingsbrennereien.

Die Brennerei Bunnahabhain liegt in einer kleinen Bucht im Norden der Insel Islay, die nur über eine schmale, knapp 7 Meilen lange Straße erreichbar ist. Das nahegelegene Dorf ist der Existenz der Brennerei zu verdanken, denn es wurde eigens für die dortigen Arbeiter errichtet. Wahrzeichen der Brennerei ist eine alte Glocke, die aus einem in der nähe geborgenen Schiff dort angebracht wurde. Ohnehin hat die Schifffahrt eine besondere Bedeutung für die Destillerie, zeigt das Emblem doch die Ikone eines salutierenden Steuermanns – eine Referenz an den Song „Westering Home“.

Die 1881 gegründete Brennerei stand bereits kurz vor der Schließung, bevor ihr Burn Stewart Distillers mit der Übernahme im Jahr 2003 neues Leben einhauchte. Mittlerweile gehört sie neben Deanston, Tobermory und Ledaig zur südafrikanischen Distell Group (u.a. auch Bain’s Cape Mountain Whisky).

Notes

Ich stehe bei leicht feucht kühlem Wetter am Hafen. Vor mir liegen ein paar Fischerboote am Kai, die Fischer knöpfen ihre Netze, die Kähne, mit Algen und Muscheln am Rumpf, werden vom Wind immer wieder gegen die Kaimauer gedrückt. Und irgendjemand war so tollpatschig und hat direkt vor meiner Nase eine Flasche Sherry fallen lassen. Das ist so etwa das Bild, welches mir als erstes in den Sinn kommt, nachdem ich diesen Malt ins Glas eingeschenkt habe. Eine maritime salzige Meerluft mit Muschelschalen und einer eleganten Sherrynote. Fruchtige Orangen, Orangenöl und herb bittere Orangenschalen steigen nun in die Nase auf und werden von würzigen Eichennoten, salzigem Karamelltoffee und Tabakblättern begleitet.

Voller Antritt am Gaumen, fruchtig – da sind wieder diese frisch geschnittenen Orangen und Orangenschalen. Die Lippen werden von einer leichten Salzschicht belegt. Schokolade und Tabak belegen den Mundraum. Mit der Zeit kommen feine nussige Noten nach Mandel und Walnuss hinzu, bleiben aber dezent im Hintergrund.

Der Nachklang ist lang, wärmend mit einem Hang zur Bitterkeit einer kräftigen dunklen Schokolade, mit Salzkörnern und Orangenaroma veredelt, das Ganze zusammen mit einem würzigen Eichenaroma sowie Wal- und Haselnüsse.

Wer die Gelegenheit hat demnächst einmal nach Islay zu gelangen, der sollte diesen Tropfen unbedingt probieren. Vielen Dank an Julia für diesen Dram!


Björn Bachirt

Das Bild der Brennerei aus diesem Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von Julia Sophia Sturm verwendet.

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