Young malts, young distilleries, Teil II: Bimber Single Malt London Whisky, Batch 01/2019

Heute setzen wir die kleine Serie “young malts, young distilleries” mit dem Bimber Single Malt London Whisky fort.

Nachdem wir uns im ersten Teil der Reihe mit dem durchaus ansprechenden “Classic” Single Malt der israelischen Milk & Honey Distillery befasst haben (hier verlinke ich nochmal den Artikel), reisen wir heute nach Großbritannien, allerdings nicht nach Schottland, sondern nach London, genauer gesagt in die Nähe von Wembley. Dort haben die polnischen Gründer Ewelina und Dariusz im Jahr 2015 ihren Traum von einer eigenen Brennerei verwirklicht. Der Name “Bimber” stammt folglich auch aus dem polnischen und bedeutet so viel wie “Selbstgebrannter”, zugleich eine Hommage an Dariusz’ Großvater, der schon in Polen “Moonshiner” brannte und sein Wissen an die nachfolgenden Generationen weitergab. Und die Gründer setzen die Familientradition in gewisser Weise fort, aber mit eigenem Stil.

Was nach wie vor zählt, ist aber echte, nachhaltige Handwerkskunst. Die Gerste der Sorten Concerto und Laureate stammt von einer einzigen Farm in Hampshire. Gebrannt wird auf zwei kleinen Pot Stills, die auf den Namen Doris (Wash Still mit 1.000 Liter Fassungsvermögen) und Astrea (Spirit Still, 600 Liter) getauft und nach den Vorgaben der Brennerei gebaut wurden. Sogar über eine eigene Küferei verfügt die Destillerie. Mehr Infos zur Produktion gibt es auf der offiziellen Seite, oder auch in einem sehr lesenswerten Artikel auf scotchwhisky.com: “Five minutes with Dariusz Plazewski”.

Bimber London Single Malt Whisky

Dieser Small Batch Single Malt ist nicht der allererste Whisky, den die Brennerei auf den Markt gebracht hat. Im September 2019 erschien bereits der auf nur 1.000 Flaschen limitierte “The First”, von dem auch nur 200 Flaschen in den internationalen Verkauf gelangten. Der Rest war für den heimischen Markt bestimmt.

Kurz darauf erschien dann bereits dieser Small Batch Release, den wir heute im Glas haben. Ein Single Malt, der in STR-Casks (shaved, toasted an re-charred) reifen durfte, also gebrauchten Fässern, die nach einem ursprünglich von Dr. Jim Swan entwickelten Verfahren wieder aufbereitet wurden. Diese Fassart ist uns schon beim M&H Classic begegnet und wird uns in dieser Serie auch noch eine Weile begleiten, scheinen diese Fässer doch aktuell besonders beliebt bei jung gereiften Whiskys zu sein.

Sie wurden in der hauseigenen Küferei auf der höchsten Stufe, Char-Level 4, ausgebrannt (sog. Alligator Char, weil die Oberfläche der verkohlten Dauben an die rissige Haut eines Alligators erinnern). Man unterscheidet insgesamt vier Stufen, die sich in der jeweiligen Dauer des Ausbrennens unterscheiden (Level 1: 15 Sekunden; Level 2: 30 Sekunden; Level 3: 35 Sekunden und Level 4: 55 Sekunden. Level 3 und 4 werden am häufigsten bei amerikanischen Bourbonfässern verwendet).

Abgefüllt wurde das Batch 001 mit 51,9 % vol., nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert und limitiert auf 5.000 Flaschen.

Bimber London Single Malt Whisky
Bimber Single Malt London Whisky, Batch 01/2019

Tasting Notes:

Eine dunkle honig-goldene Färbung lässt darauf schließen, dass die hier verwendeten STR-Fässer recht aktiv waren. Ganz zu Anfang muss ich nach dem Eingießen an Granatapfel und Johannisbeermarmelade denken, dann schwenkt die Nase allerdings schnell zu überreifer Ananas, Banane, roten Äpfeln, Nektarine und einer intensiven Honignote um.

Der erste Eindruck ist durchaus beachtlich. Frucht und Honigsüße ergänzen sich vorzüglich, während im Hintergrund eine würzige Note aus gerösteter Eiche und Pfeffer liegt. Nichts jugendlich metallisches, oder gar scharfes stört in der Nase. Die Jugend kündigt sich stattdessen in getreidigen Aromen von Müsli und Roggenbrot an, die sich nun mit Anklängen von Nussschokolade, gebrannten Mandeln und Mocca zu einem interessanten Aromenprofil vermischen. Beim zweiten Schluck dominiert tatsächlich die Schokolade mit einem schönen cremigen Schmelz. Erinnert mich an den Brunnen im Kölner Schokoladenmuseum.

Am Gaumen entfaltet sich beim ersten Schluck eine cremige Honigsüße, begleitet von gebackenen Bananen, Ananas, warmen Popcorn, Cornflakes und Getreideflocken. Schwarzer Pfeffer sorgt für einen recht kräftigen Antritt, bevor geröstete Eiche und Roggenbrot einen herb-würzigen Kontrast zu der anfänglichen Süße ausbilden.

Im Nachklang bauen sich nochmals Röstaromen auf. Dann habe ich Milchschokolade sowie Bitternoten von Kaffee und Mocca.

Mit der Zugabe von Wasser wirkt er im Mund wesentlich bekömmlicher. Ich habe ihn sogar mit einigen Teelöffeln recht ordentlich verdünnt, was ich ansonsten nicht so häufig mache. Besonders der Gaumen profitiert davon. Die pfeffrige Schärfe geht zurück, während die Honigsüße betont wird. Er wird dabei cremiger und weicher.

Fazit

Typisch, wenn du den Händler deines Vertrauens besuchst. Du kommst ins Gespräch, Kunden gesellen sich dazu und auf einmal meint jemand: “Du musst unbedingt mal Bimber probieren.” Bis dahin sagte mir die Brennerei gar nichts und auch diese Abfüllung wäre wohl völlig an mir vorbeigegangen. Dann wäre mir aber ein wirklich sehr beeindruckender, junger Single Malt mit Charakter und interessantem Geschmacksprofil entgangen. Ein wunderbares Stück Handwerkskunst aus einer kleinen Craft-Destillerie.

Björn Bachirt

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Björn,
    schön das Du den Bimber probiert hast, ich habe bei Dirk ja versucht so einige von Bimber zu überzeugen. Ich werde mit Dirk bald ein Bimber Tasting machen, dort kommen auch ein paar Distillery only bottlings in die Gläser, hoffen wir mal das wir alle Corona möglichst unbeschadet überstehen und gesund bleiben und uns bald in geselliger Runde wiedersehen.

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