Whiskys von Michel Couvreur

Malt Whiskys, die ausschließlich über längere Zeit in alten Sherryfässern reifen sind immer schwerer zu finden. Entweder beschränken sich die Abfüllungen auf eine kurze Nachreifung von wenigen Monaten, oder es handelt sich um reine Sherryfass gereifte Whiskys aus Refilfässern oder solchen Fässern, in denen zuvor nicht allzu lange Sherry lagerte. Michel Couvreur hatte es sich dagegen zum Ziel gesetzt, Old-School Sherry Whiskys wieder aufleben zu lassen, so wie sie früher häufiger zu finden waren, fernab der Massenware.

Michel Couvreur Whiskys

Was steckt dahinter? Allzu viel verraten die übers Eck geklebten Etiketten auf den kantigen Flaschen ja nicht. Wir erfahren, dass es sich um Malt Whisky handelt der spannende Namen trägt wie etwa Intravaganza, Clearach, Overaged oder Blossoming. Abgefüllt werden hier Destillate aus verschiedenen schottischen Brennereien, teilweise zwischengelagert im Meldhum House, Old Meldhum, Schottland. Diese noch jungen Whiskys werden im Hause Couvreur in alte ausgediente Sherryfässer gefüllt, in denen zuvor vereinzelt bis zu 30 Jahre lang Sherry reifte. Die Fässer werden dann in einen alten, in den Felsen gehauenen Weinkeller in Bouze lès Beaune im Burgund/Frankreich eingelagert.

Ein Hinweis auf die Brennereien, die das Destillat lieferten lässt sich nicht finden. Der im Jahre 2013 verstorbene Michel Couvreur war der Auffassung, dass die Fassreifung ca. 80% des Charakters des Whiskys ausmacht. Also schrieb er ganz selbstbewusst nur seinen eigenen Namen auf die Flaschen.

Beim Anblick der Flasche frage ich mich zunächst – wie komme ich nun an den wertvollen Inhalt? Versiegelt ist sie mit Hartwachs, der seinem Namen alle Ehre macht. Das Internet ist in diesem Fall hilfreich: Den Verschluss eine Weile in warmes Wasser getaucht, lässt sich der nun weichere Wachs leichter entfernen. Darunter verbirgt sich ein richtiger Korken, wie wir ihn von Weinflaschen (noch) kennen. Wer hat schon einmal eine Flasche Whisky mit einem Korkenzieher geöffnet? Nachdem diese “Hürden” einmal überwunden sind, offenbaren sich Old-School Sherry-Whiskys in Perfektion.

Drei Abfüllungen aus dem regelmäßig verfügbaren Sortiment sollen hier einmal näher betrachtet werden.

Michel Couvreur CANDID  – The New Disclosure Expression, 49,0 % vol.

Ja, das mit den schönen Namen hatten wir eingangs bereits. CANDID – der “Kandierte”! Er offenbart im Glas direkt eine schwere wabernde Süße mit speckigen Noten und lässt bei mir das Bild von ausgelassenem Speck überstreut mit Zucker entstehen. Der so oft beschriebene Jahrmarktbesuch – kandierte Früchte, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln. Alles verwoben in einem vollen Bouquet.

Den Couvreur Whiskys sagt man nach, dass diese sehr gut ein paar Minuten (Stunden?) Luft vertragen können. Bei dem CANDID geht dabei die Süße ein Stück zurück und es offenbart sich eine schöne Würzigkeit.

Am Gaumen dann süß und fruchtig, vielleicht sogar mit einer Spur von Rauch. Voll und ölig.

Michel Couvreur Overaged Malt, 52,0% vol.

Ganz anders im Charakter und doch verwandt – so präsentiert sich der “Overaged”. In ihm finden sich Whiskys mit einem alter zwischen 12 und 27  Jahren. Es gibt ihn in zwei Ausführungen – einer Abfüllung mit 43,0% vol. (schwarzer Hartwachsverschluss) und einer mit 52,0% vol. (roter Wachsverschluss). Ich habe die Abfüllung mit 52,0% vol. probiert.

Sofort fällt in der Nase diese krasse würzige Note nach Liebstöckel (auch Maggikraut genannt) auf, die, so ist zumindest mein erster Eindruck, zunächst alles überlagert. Anders als beim “CANDID” geht diese würzige Note nach einer Weile an der Luft zurück und es kommen nun mehr typische Sherrynoten – getrocknete Früchte, Rosinen zum Vorschein. Es entfaltet sich ein schönes Wechselspiel von Süße und Säure, weniger Kaffee/Kakao betont oder schokoladig wie andere Sherry-Whiskys. Die 52,0% vol. sind kaum wahrnehmbar und sehr schön eingebunden.

Bei “Overaged” und “CANDID” handelt es sich jeweils um Blended Malt Whiskys. Hat er etwa das böse Wort mit “B” gesagt? Blend? Stimmt. Diese Whiskys haben jedoch nichts gemein mit den oft (manchmal auch zu Unrecht) als minderwertig verschrienen Blends aus Grain Whiskys mit geringem Malt-Anteil. Es handelt sich vielmehr um ein Vatting ausschließlich aus Malt Whiskys unterschiedlicher schottischer Brennereien.

Overaged & CANDID

Michel Couvreur Blossoming Auld Sherried Single Malt, 45,0%vol.

Dieser Single Malt Whisky, die “Blütezeit”, gehört zu Flaggschiffen aus dem Hause Couvreur – leider auch vom Preis her. Anfänglich im Glas eher zurückhaltend, verschlossen.  Ein bisschen Süße, ein bisschen Würze (wieder Liebstöckel). Der Blossoming benötigt definitiv Zeit um sich zu entfalten. Je länger, desto besser. Faszinierend was dann im Glas passiert – Rosinen, Backpflaumen, Karamell und wieder dieses schöne Wechselspiel aus süß und sauer. Ein Whisky, mit dem man sich ruhig den ganzen Abend beschäftigen kann.  Ist er seinen Preis wert? Nun, es ist definitiv ein Spitzenwhisky, nichts für jeden Tag, sondern für besondere Anlässe. Er sollte also lange halten. Ca. 180 € für 0,7 Liter sind aber natürlich eine Ansage (ich hatte hier ein 10 cl Sample).

Blossoming

Fazit

Liebhaber Sherryfass gereifter Tropfen kommen an diesen vielschichtigen Old-School-Whiskys nicht vorbei.

Das vollständige Sortiment der Couvreur Whiskys gibt es in Deutschland übrigens im Brühler Whiskyhaus und bei Whisky for Life in Frankfurt.

Björn Bachirt

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