Tastingbook – Memories of Liquid

„Ein Buch für besondere Erinnerungen und besondere Tastings“, so beschreiben Daniel Schaum und Robert Fülling ihr TASTINGBOOK, mit welchem Whisky-Liebhaber die Vorzüge eines detaillierten Notizbuches mit einem persönlichen Erinnerungsalbum vereinen können. Ich habe mich einmal ausgiebig damit beschäftigt und getestet, ob sich eine Anschaffung lohnt.

Als ich anfing mich näher mit Whisky zu beschäftigen, faszinierten mich vor allem die facettenreichen Notes zu Aroma, Geschmack und Nachklang mit denen die Hersteller gerne werben. Kann jemand in einer Spirituose wirklich so viele Nuancen, Aromen und Geschmacksprofile entschlüsseln? Nach den ersten, eher enttäuschenden, Erfahrungen besuchte ich ein Einsteigertasting mit verschiedenen Malt Whiskies aus Schottland, Irland und Deutschland. Dabei lernte ich erst den Umgang mit dieser faszinierenden Spirituose wirklich kennen, vor allem, wie man sich an die Aromen herantasten kann. Was rieche ich in einem Whisky? Ist er fruchtig, süß, rauchig oder gar floral? Wenn ich ihn als fruchtig beschreibe, was für eine Frucht könnte es denn sein? Eher Zitrusfrüchte, oder doch dunkle Beeren? Frische, eingekochte oder gar getrocknete oder kandierte Früchte? Ich stellte schnell fest, dass man hier durchaus mit System und Spaß an die Sache rangehen kann, ohne direkt eine Wissenschaft daraus zu machen. Also fing ich an, mir selbst Notes in einem Notizbuch niederzuschreiben, geordnet nach Farbe, Nosing, Taste und Finish und dazu noch ein paar Anmerkungen zum Alkoholgehalt, zum Alter, zur Herkunft und zur Fasslagerung beizufügen. Da ich mich besonders gut an Bilder erinnern kann, klebte ich auf die andere Seite der Notizen noch ein Foto der Flasche mit dem Etikett dazu. Immer wieder blättere ich in diesem Buch, vergleiche Whiskies und schwelge ein wenig in Erinnerungen, wenn ein besonders schöner Tropfen dabei war.

Diese Vorzüge soll auch das Tastingbook von Daniel Schaum und Robert Fülling bieten. Unverhofft erhielt ich vor ein paar Wochen die Anfrage, ob ich daran interessiert wäre, das Buch einmal auszuprobieren und meine Eindrücke in diesem Blog niederzuschreiben.

Gleich beim Auspacken habe ich mich über das besonders handliche DIN A5 Format gefreut. Passt sogar in die Tasche und kann zum nächsten Tasting mitgeführt werden. Das Buch kommt zudem in einem sehr griffigen, festen Einband daher und macht einen äußert wertigen Eindruck. Auch das persönliche Grußwort der Autoren ist gelungen; ohnehin gefallen mir Schriftbild, Layout und Druck ausgesprochen gut. Es bietet auf 128 Seiten Platz für mehr als 50 Verkostungen.

„Aus Liebe zu unserer Leidenschaft suchten wir nach Möglichkeiten unsere ganz besonderen Momente festzuhalten. Erinnerungen von wunderbaren Abenden mit wundervollen Menschen die eines gemeinsam haben: Genuss von besonderen Spirituosen.“ – Robert Fülling und Daniel Schaum

Das Buch beginnt mit einer Einleitung zur Handhabung und Benutzung des mitgelieferten Aromarades, welches die Form eines Untersetzers für das Glas hat, sowie mit einer Erläuterung der darauf befindlichen Begriffe Torf, Wein, Holz, Frucht, Floral, Malz und Feinty. Gerade das Aromarad ist eine nette Idee, denn neben einer Farbpalette, anhand derer sich die Farbe des Whiskys (oder einer anderen Spirituose) bestimmen lässt, bietet es eine Hilfestellung zur Einordnung der Aromen indem Obergruppen gebildet und darunter Beispiele aufgeführt werden, was zu dieser Gruppe gehört. Diese sind im Grunde genommen auch sehr passend, wobei ich Begriffe wie „Metall“ nicht unbedingt mit dem Oberbegriff „Torf“ in Verbindung bringe.

Für jede Verkostung steht eine Doppelseite zur Verfügung. Auf der linken oberen Seite findet sich eine Landkarte, auf welcher theoretisch die Region eingetragen werden kann, aus welcher der Whisky stammt. Der Platz kann aber auch für ein Foto genutzt werde, was ich eher bevorzuge, denn zur besseren Erinnerung hilft mir immer noch zusätzlich das Bild von der Flasche oder wenigstens dem Etikett.

Darunter findet sich ebenfalls ein Aromarad, welches die Begriffe auf dem Untersetzer wieder aufgreift. Hier kann auf einer Skala von 0 bis 4 die jeweilige Intensität des Aromas angekreuzt werden, also beispielsweise 0 für „nicht torfig“ bis hin zu 4 „sehr torfig“. Trägt man so in jede Kategorie ein Kreuz ein, lassen diese sich später verbinden, so dass eine Art „Spinnenetz“ entsteht, welches das Geschmacksprofil eines Whiskys quasi grafisch wiedergibt. Bislang hatte ich nicht viel damit anfangen können, mich nun aber einmal näher damit beschäftigt. Es ist tatsächlich eine interessante Erfahrung verschiedene grafische Darstellungen einzelner Whiskies miteinander zu vergleichen, Unterschiede zu erkennen, aber eben auch Gemeinsamkeiten aufzudecken.

Zusätzlich finden sich darunter noch Felder für Viskosität, Dram (verdünnt oder unverdünnt), Farbe und Abgang (beispielsweise lang, trocken, wärmend, flach etc.).

Auf der rechten Seite lassen sich sodann Name, Art, Destillerie, Alter, Fass, Alkoholgehalt, Herkunft und Preis eintragen, gefolgt von einem Abschnitt für die eigentlichen persönlichen Notizen zum Geruch, dem Geschmack und zum Nachklang. Der Platz genügt, um ausreichend Stichpunkte festzuhalten, für ausführliche Niederschriften in ganzen Sätzen ist der Raum allerdings begrenzt. Ein Kompromiss, welchen man für das schon erwähnte handliche Format des Buches eingehen muss.

Anhand einer Skala von insgesamt fünf Sternen lässt sich abschließend noch eine persönliche Bewertung abgeben. Wer mag, kann sich freilich auch ein eigenes Punktesystem anlegen und danach Punkte auf der Seite notieren.

Fazit

Das Tastingbook hat mich vor allem durch seine wertige Aufmachung, das ansprechende Schriftbild und die sinnvolle Gliederung überzeugt. Es bietet dem Einsteiger eine sinnvolle Anleitung, um an das eigene Tasting mit einer gewissen Struktur heranzugehen und sich an die vielschichtigen Aromen eines Whiskys, oder einer anderen Spirituose, heranzutasten. Auch für den Fortgeschrittenen stellt es ein hilfreiches und vor allem handliches Tool bei Tastings dar. Ich würde mir noch eine Formatvorlage nach der Einleitung für ein Inhaltsverzeichnis wünschen, mit welchem sich die eigenen Notizen schneller auffinden lassen. Ansonsten aber ein absolut durchdachtes Werk und ein schöner Begleiter auf dieser faszinierenden Entdeckungsreise. Vielen Dank an Robert und Daniel für die Zusendung!

Björn Bachirt

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