Auf meiner Tour durch Bayern durfte (m)ein (erster) Besuch der Brennerei Slyrs, wo der Bavarian Single Malt Whisky entsteht, nicht fehlen.

“Fahr zum Schliersee!”, haben sie gesagt. Da ist es ruhig und beschaulich und die Natur ist einfach wunderbar. Gesagt, getan. Wer von einem Aufenthalt am eher quirligen und touristischen Tegernsee Richtung Schliersee unterwegs ist, der merkt schnell, dass es dort doch merklich ruhiger zugeht. Entschleunigung pur! Einen weiteren Vorzug hat die Umgebung: eine Besichtigung der nahe gelegenen Slyrs Brennerei in Neuhaus.

Zum Glück sind wir etwas zu früh da und so nehmen wir erstmal auf der an diesem Tag von der Sonne verwöhnten Terrasse der neuen “Slyrs Caffee & Lunchery” Platz, wovon aus wir einen schönen Blick auf den Wendelstein haben. Selbst für denjenigen, der mit Whisky, Bränden oder Likören wenig anfangen kann, bietet das Café allein schon einen guten Grund, die Brennerei zu besuchen.

Wer sich von der malerischen Idylle losreißen kann, der gelangt über eine Treppe von der Terrasse aus nach unten zum Hauptgebäude und zur imposanten Eingangshalle, die zugleich als Empfang und Verkaufsraum dient und in der ein aufwendig gestaltetes Regal den Gast begrüßt, in welchem die Abfüllungen aus dem Hause Slyrs eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Neben den aktuellen Qualitäten und Accessoires schweift der Blick auch über Gin, Liköre und Brände aus dem Hause Lantenhammer. Kein Wunder, entwuchs die Marke Slyrs doch aus der von Amalie und Josef Lantenhammer ursprünglich im Jahre 1928 gegründeten, zu Beginn des zweiten Weltkrieges geschlossenen und 1948 wieder eröffneten, Enzianbrennerei.

Nachdem Braumeister Florian Stetter 1994 eine Studienreise nach Schottland unternahm, keimte die Idee für eine heimische Whiskyproduktion auf. 1999 floss das erste Destillat und seit 2007 erfolgt der komplette Herstellungsprozess, von der Anlieferung des Gerstenmalzes, der Produktion der eigenen Whisky-Maische bis zur Fass-Reifung, in der neu errichteten SLYRS Whisky-Destillerie in Neuhaus, die besonders besucherfreundlich ausgelegt ist. Wer möchte, kann zwar eine geführte Tour buchen, jedoch lässt sich die gesamte Produktion auch auf eigene Faust erkunden, freilich bei laufendem Betrieb! Zahlreiche aufgestellte Informationstafeln führen den Besucher durch die helle und moderne Anlage, von der Anlieferung der Gerste über die Maischebottiche bis hin zu den Brennblasen und dem Fasslager.

Zu Beginn der Tour stimmt ein Imagefilm auf den Rundgang ein. Tannenwälder, Berge, klare Seen, rauschende Flüsse und reine Luft sollen dem Besucher die natürliche Umgebung näher bringen, in dem dieser Whisky gebrannt wird und reifen darf.

Verabredet sind wir übrigens mit Hanna Heim, Projektmanagerin Marketing, die sich eigens Zeit genommen hat, uns durch die Anlage zu führen. Dabei erfahren wir, dass der Name Slyrs keineswegs, so wie man vielleicht vermuten könnte, eine Anlehnung an gälische Namensgebungen ist, sondern aus dem bayrischen Sprachgebrauch kommt. Im Jahre 779 gründeten die fünf Mönche Adalung, Hiltupalt, Kerpalt, Antonius und Otakir ein Kloster in der Einöde um den Schliersee. Sie nannten dieses Kloster Slyrs (ausgesprochen “Schliers”). Über Jahrhunderte war dieses Kloster Namensgeber der gesamten Region.

Bei unserem Rundgang herrscht an dem heutigen Montag tüchtige Geschäftigkeit. Gebrannt wird zwar leider nicht. Stattdessen putzt sich die Brennerei für das Slyrs “samma” Fest heraus, bei welchem die Gäste mit Live-Musik, Workshops, Masterclasses, Handwerker-Kunstmarkt und einem Kinderprogramm unterhalten werden. Frühaufstehern wird ein Weißwurst-Frühstück angeboten. Das einige Besucher an diesem Tag der offenen Tür früh dasein werden, steht für Hanna Heim außer Frage:

“Wir starten dort nämlich zugleich den Verkauf unserer diesjährigen Abfüllung des 12jährigen Slyrs, der in kleiner, limitierter Auflage erscheint. Schon im letzten Jahr bildeten sich früh morgens bereits Schlangen vor dem Verkaufsraum. Darauf sind wir dieses Jahr vorbereitet.”

Aus diesem Grund wird heute auch die gesamte Anlage bestehend aus den kupfernden Brennblasen gereinigt, auf denen üblicherweise von montags bis freitags gebrannt wird. Dort wird aus der Maische im Pot-Still Verfahren zunächst ein Rohbrand mit ca. 30% vol. hergestellt, der in einem zweiten Schritt zu einem Feinbrand mit 70% vol. destilliert. Entgegen den vielerorts üblichen 63,5% vol. wird das Destillat hier auf eine Fassstärke von 55% vol. verdünnt und dann in Fässer gefüllt.

Das bringt uns dann auch direkt zu den Fasslagern – regelmäßig mein Lieblingsort bei Brennreiführungen. Allein schon der Geruch ist immer wieder einmalig.

Mein Blick fällt auf einige Sherryfässer in einem Nebenraum. Slyrs legt besonderen Wert darauf, dass für die eigenen Finishes besonders alte Sherryfässer zum Einsatz kommen, in denen teilweise dreißig Jahre und mehr Sherry reifen durfte. Heutzutage eher die Ausnahme in der Whiskyproduktion, in der vorwiegend sog. Seasoned-Casks zum Einsatz kommen, die nur noch zwischen 6 und 30 Monaten mit Sherry belegt sind.

Basis für die Finishes der Brennerei bildet jeweils der dreijährige Slyrs Whisky, welcher in frischen (Virgin Oak) Fässern aus amerikanischer Weißeiche reift und im Anschluss eine mehrmonatige Nachreifung erhält, wobei neben Sherry (Pedro Ximénez, Oloroso, Amontillado) auch Portwein-, Sauternes-, Marsala- oder Rumfässer zum Einsatz kommen. Da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Slyrs Tasting Experience

Einige Abfüllungen konnte ich an diesem Tag probieren, wie z.B. den klassischen Single Malt mit 43% vol. (ohne Finish), der zunächst recht fruchtig-süß mit Aprikose, Birne, Karamell und Malz daher kommt, am Gaumen dagegen eher pikant-würzig mit Pfeffer, Eiche und Orangenabrieb kontrastreich auffällt. Recht überzeugend fand ich den Slyrs Sauternes Cask Finish mit 46% vol. Hier erhielt der Whisky noch einmal eine mindestens 14 Monate dauernde Nachreifung in Süßweinfässern aus Bordeaux. Frische Trauben- und Zitrusnoten und ein süßer Honigduft passen recht gut zum Grundcharakter des Slyrs Single Malt. Ein äußerst süffiger, sehr harmonisch abgestimmter Whisky.

Etwas ausführlicher habe ich mich einige Tage später noch mit dem Rum Cask Finish sowie dem Marsala Finish beschäftigen können.

Der Rum Cask ist zu Beginn süßlich-fruchtig in der Nase. Eine angenehme Honignote wird begleitet von einem wachsigen Aroma, welches eine Assoziation von Bienenwachs hervorruft. Zerdrückte, reife Banane und eine würzige Holznote gesellen sich dazu. Trotz seiner 46% vol. wirkt er zunächst recht alkoholisch, was sich auch in einem prickelnden Antritt am Gaumen bemerkbar macht, wo nun Orangen und Orangenzesten diesen Malt zunächst etwas fruchtiger erscheinen lassen, bevor würziger Honig und Holz den Ton angeben. Im Nachklang kommt das Bienenwachs wieder stärker durch, dazu etwas Holzpolitur und Eiche. Für meinen Geschmack ist er doch zu holzlastig.

Das Marsala Cask Finish fällt betont fruchtiger und nussiger aus. Ein Wechselspiel aus gehackten Walnüssen mit frischen Beeren (Johannisbeere, Heidelbeere), Kirschen und eingekochtem roten Früchtekompott. Dahinter geröstetes Toastbrot, Vanille, Aprikose, Muskatnuss, Anis, Zimt und Pfeffer gepaart mit würziger Eiche. Der Antritt fällt deutlich weicher aus, als noch beim Rum Cask, würzig mit Pfeffer, Zimt dazu eine karamellige Süße. Im Nachklang wieder mehr Aprikose und Walnuss.

Mein persönlicher Favorit unter den diesmal verkosteten Slyrs Whiskys bleibt aber das Sauternes Finish.

Ein Glas Slyrs mit Blick auf den Wendelstein

Wer die Brennerei besucht, der sollte das Gelände auf keinen Fall verlassen, ohne vorher noch einen Blick in die Genussschmelzerei zu werfen, wo Brotaufstriche, Knoblauch- und Meerrettich-Variationen, Dips und Soßen, Pesto, Marmelade und vieles in sehr kreativen Rezepturen warten. Meine persönliche Empfehlung: Hot Bull – ein Aufstrich aus eingelegtem Knoblauch, Öl, Erdnüssen, Kräutern, Meersalz und türkischem Chili.

Mein Tipp für einen Besuch wäre also: Abstecher zum Schliersee, Destillerie mit geführter Tour oder auf eigene Faust erkunden, Stärkung im “CAFFEE & Lunchery” und anschließend noch ein Abstecher zur Genussschmelzerei!

Vielen Dank an Hanna Heim, die sich trotz laufender Vorbereitungen auf das “samma”-Fest sowie auswärtiger Verpflichtungen noch eigens Zeit für eine Führung genommen. Sicher keine Selbstverständlichkeit!

Björn Bachirt

Links:

Slyrs

Lantenhammer

Genussschmelzerei

 

, ,
Vorheriger Beitrag
Scotch Universe “Ursa Major I”
Nächster Beitrag
Zeit für einen Klassiker: Glenlivet 18 Jahre

Ähnliche Beiträge

No results found

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Riccardo Berg
5. November 2018 11:21

Meine Vorbehalte gegenüber deutschem Whisky brechen mehr und mehr auf – auch dank solcher schönen Artikel! Von Slyrs hatte ich bis auf den interessanten Sild noch nichts im Glas – es wird wohl Zeit, meinen Horizont dahingehend zu erweitern. 😉

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

*

Menü