Privates Fassprojekt by Malts Hamburg: Lord of Morayshire, Oloroso Finish

Der heutige Tagebucheintrag beschäftigt sich mit einem privaten Fassprojekt meines lieben Blogger-Kollegen Nils Felske, der die lesenswerte Seite Malts Hamburg betreibt und anlässlich seines 5jährigen Jubiläums eine eigene Abfüllung mit dem Namen “Lord of Morayshire” kreierte. 

In der doch noch recht kurzen Zeit, in der ich mich in der Whisky-Community aktiv beteilige habe ich ganz besonders die gegenseitige Wertschätzung und den Respekt untereinander kennengelernt. Man tauscht sich aus, lernt von den wechselseitigen Erfahrungen und trifft auf seiner Reise viele Weggefährten und Freunde, die die gleiche Leidenschaft teilen. Einer davon ist Nils Felske, der mir schon vor einiger Zeit ein Sample seines privaten Fassprojekts zugesandt hat, verbunden mit der Bitte, ich möge ihm meine persönliche Meinung dazu mitteilen. Es hat dann etwas länger gedauert, als ich es mir selbst vorgenommen habe. Nun dachte ich mir, Nils heutiger Geburtstag wäre doch eine gute Gelegenheit, ihm mit diesem Dram einen ganz persönlichen Gruß auszurichten.

Private Fassprojekte sind immer wieder faszinierend und lassen sich auf unterschiedliche Weise realisieren. Entweder man befüllt ein eigenes kleines Fass mit frischem New Make, oder man verpasst einem bereits gereiften Whisky nochmal ein zusätzliches Finish, welches er ursprünglich von der Brennerei nicht mitbekommen hat. Nils hat sich für seine Jubiläumsabfüllung für die zweite Variante entschieden.

Hierbei handelt es sich um einen jungen Whisky aus der Speyside, welcher zunächst in einem ehemaligen Bourbonfass reifen durfte. Nils füllte ihn in ein kleines 5 Liter Fass aus Limousin Eiche um, welches zuvor für 4 Monate mit Oloroso Sherry belegt war. In diesem durfte sich der Whisky dann nochmal knapp zwei Monate ausruhen, bevor Nils ihn mit ordentlichen 52,0% vol. in die Flasche gefüllt hat. So wie es sein sollte ist er nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.

Der Name der Brennerei wird nicht verraten. Allerdings dürfte der “Lord of Morayshire” einen ausreichenden Hinweis auf die Destillerie aus der Speyside geben.

Dann schauen wir doch mal, was der Kandidat zu bieten hat:

Notes

Es ist schon faszinierend, was in knapp zwei Monaten ein kleines, zuvor mit Oloroso Sherry belegtes, Fass mit einem Whisky anstellen kann. Die erste Nase bringt deutliche Sherryaromen hervor, dunkle frische Früchte, süße Kirschen und Pflaumen vermengen sich mit getrockneten Früchten, Feigen, Rosinen und Schokolade. Da schwingt noch eine frische kräutrige Note mit, Liebstöckel im Zusammenspiel mit floralen Aromen von frischem Gras und einer Blumenwiese. Der Sherry gibt zwar deutlich den Ton an, hat das ursprüngliche Destillat aber auch nicht ganz verdrängt.

Nachdem er eine halbe Stunde atmen durfte, gehen die Sherryaromen etwas zurück und geben den Platz frei für eine schöne Vanillenote und frische grüne Äpfel. Die Kräuter und floralen Aromen sowie die Schokolade bleiben mit einer dezenten Nussigkeit von Walnüssen. Ein paar Tropfen Wasser betonen das Vanillearoma und fördert eine angenehme Malzigkeit zu Tage.

Dieser Eindruck setzt sich auch am Gaumen fort. Zu Anfang ist der Sherry wieder präsenter; mit Schokolade überzogene Kirschen und Pflaumen aber auch getrocknete Früchte, Rosine und Feige geben den Ton an, weichen aber schon bald wieder floralen und kräutrigen Aromen gepaart mit einem Hauch Vanille und Malz. Der Antritt ist kräftiger als die Nase vermuten lässt, mit einem angenehmen Prickeln auf der Zunge und einer leichten Pfefferschärfe.

Deutlich trockener dagegen ist der Nachklang mit einem Hang zur Bitterkeit von Kakaopulver, Zartbitterschokolade und Walnüssen. Nun macht sich auch die Eiche bemerkbar.

Fazit

Lieber Nils,

ich bedanke mich herzlich, dass Du Dein Fassprojekt mit mir geteilt hast und darf sagen, es ist Dir gut gelungen. Sehr interessant, was der intensivere Austausch zwischen Fasswand und Destillat in der kurzen Zeit in dem kleinen Fass bewirkt hat. Du hast aber soviel Fingerspitzengefühl dabei bewiesen, den Whisky rechtzeitig wieder zu befreien, so dass der Sherry ihn nicht erschlagen konnte.

Besucht gerne Nils Seite Malts Hamburg oder begleitet ihn auf seiner Reise auf Facebook.

Björn Bachirt

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hi, wurde das Fassprojekt in Deutschland durchgeführt ? Dann wäre es ja im Grunde kein Scotch!, oder?

    • Hallo, das Fassprojekt wurde in Deutschland durchgeführt. Derjenige hat einem schottischen Single Malt nochmals eine Nachreifung verpasst. In den Scotch Whisky Regulations steht, dass der Whisky nur dann als Scotch bezeichnet werden darf, wenn er ausschließlich in Schottland reifte (“must be wholly matured in Scotland”). Von daher dürfte wohl auch ein bereits in Flaschen abgefüllter Scotch später nicht mehr als solcher bezeichnet werden, wenn er in einem anderen Land nochmals eine Nachreifung erhält. So verstehe ich die Regularien jedenfalls…

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