Präsentation des Suntory Toki Whisky: Ein Abend mit Mike Miyamoto

Diesmal war ich für das Online News-Magazin “Whiskyexperts” bei der Präsentation des neuen Suntory “Toki” Blended Whisky unterwegs. Mich erwarteten japanische Barkultur und ein Live-Tasting mit dem Global Brand Ambassador Mike Miyamoto.

Japans Reaktion auf die Whiskyknappheit

An sich freuen sich Hersteller ja, wenn eine weltweit hohe Nachfrage nach ihren Produkten herrscht. Problematisch ist allerdings, wenn die Nachfrage quasi von heute auf morgen so rapide ansteigt, dass man nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen hat und zudem noch ein Produkt vertreibt, welches eine eine gewisse Zeit reifen muss, bevor man es auf den Markt bringen kann. Mit diesem Problem sieht sich derzeit die japanische Whiskyindustrie konfrontiert. So absurd es vielleicht klingen mag, aber die ungebrochen hohe Nachfrage bei gleichzeitig knappen Beständen gefährdet aktuell den Aufschwung den Japan seit 2008 erlebt. Besonders mit Abfüllungen älterer Jahrgänge kann der Markt kaum noch bedient werden. Whiskys, die vor ein paar Jahren noch bei vergleichbar erschwinglichen Preisen noch überall verfügbar waren, man nehme nur beispielsweise einen Hakushu oder Yamazaki mit 12 Jahren Alter, sind heute kaum noch erhältlich und kratzen bereits an der 100€ Marke.

Jüngst berichtete das Forbes-Magazine, dass der japanische Spirituosenkonzern Suntory den 17jährigen Blend aus der Reihe “Hibiki” einstellen wird. Ohnehin sehr rar und kostspielig geworden, verabschiedet sich Suntory nun endgültig von einem weiteren Blend mit Altersangabe. Die Bestände geben es einfach nicht mehr länger her, derartige Blends, geschweige denn Single Malts, mit einem solchen Alter auf den Markt zu bringen, wenn die Brennereien langfristig überleben wollen. Schon vor einiger Zeit kündigte Suntory-Konkurrent Nikka an, die Altersangabe völlig zu streichen, um das Überleben der hauseigenen Destillerien Yoichi und Miyagikyo sicherzustellen. Suntory wiederum hatte schon 2015 den 12jährigen Hibiki durch den Hibiki Harmony ohne Altersangabe ersetzt.

Suntory Toki Whisky

Eine kurzfristige Lösung könnten demnach Blends wie der TOKI ohne Altersangabe sein. Derartige Vorgehensweisen verschaffen den japanischen Master-Blendern, die zweifelsohne einen ausgezeichneten Ruf genießen, mehr Luft, denn es erlaubt ihnen, aus einem breiteren Bestand an Fässern auswählen zu können. Im Juni wird Suntory nun in Deutschland seinen “Toki” herausbringen. Dabei hat es mich überrascht zu hören, dass dieser in den Vereinigten Staaten wohl schon seit 2016 erhältlich ist. Offenbar hatte man sich bei Suntory zu einer schrittweisen Veröffentlichung entschieden und konzentrierte sich dabei zunächst auf die umsatzstärksten Märkte in Asien und den USA.

Japanische Barkultur und Izakaya-Küche

Der Release in Deutschland scheint dennoch wichtig zu sein, denn die Präsentation im Münchener Restaurant “KOI” hatte es in sich: Kein Geringerer als der Global Brand Ambassador Mike Miyamoto persönlich lud zum exklusiven Tasting ein. In japanisch zeitgenössischem Ambiente durften die Gäste zudem einmal in die japanische Bar- und Trinkkultur eintauchen, denn das “KOI” ist von der Izakaya-Küche inspiriert. Hierbei handelt es sich um einen der aktuell populärsten Trends der japanischen Barkultur, vergleichbar mit einer Tapas-Bar. Zu einer großen Auswahl an Getränken werden kleinere warme und kalte Speisen gereicht.

Kreative Speisenauswahl im KOI Restaurant, München

Das “KOI” bot den Gästen dazu eine reichhaltige Auswahl wie etwas Kamo Kari Salada (Knusprige Ente, Hijki-Algen-Karotten-Salat, Granny-Smith-Apfel-Limetten Salsa), Turi_No_Tebasaki Age (Spicey Chicken Wings), Honetuki Karubi (Wagyu Short Rips, Ponzu Lack, Cashew), Crispy & Spicey Tuna Tempura oder Bananen Toffee und Whisky Eis, um nur einmal ein paar Beispiele aus der reichhaltigen Auswahl zu nennen.

Deconstructing Suntory Toki

Der Abend begann mi einem lockeren Empfang in geselliger Runde, der Gelegenheit zum interessanten Austausch bot, denn anwesend waren nicht nur ausschließlich Gäste aus der Whiskyszene, sondern zahlreiche Journalisten und Blogger aus der Food & Beverage Branche, Gastronomen und Bartender.

Gäste in gespannter Erwartung

Nach einer kurzen Einführung in den Ablauf lud Global Brand Ambassador Mike Miyamato die Gäste zu einem sogenannten “Deconstruction-Tasting”, bei welchem der Whisky in seine einzelnen Komponenten zerlegt wurde.

Chef Blender Shinji Fukuyo hat in dem Toki alle Elemente der drei japanischen Suntory Destillerien vereint: Yamazaki, Hakushu und Chita. Diesen drei Säulen widmete sich Mike Miyamoto zu Anfang, wobei seiner Meinung nach japanischer Whisky nur dann wirklich verstanden werden kann, wenn man auch etwas über seine Geschichte und dessen Herstellung weiß.

Deshalb begann Mike Miyamoto mit einer kurzen Erzählung über die Geschichte von Suntory, und diese beginnt immer mit einem Namen: Shinji Torii. Dieser war bereits seit seinem zwanzigsten Lebensjahr im Wein- und Spirituosenhandel tätig und mit einem Likörwein, “Akadama” genannt, selbst erfolgreich am Markt tätig. Dennoch fehlten nach seiner Ansicht hochwertige Spirituosen in Japan, weshalb Torii diese zu Anfang aus dem Ausland importieren musste. Dabei hatte es ihm besonders der schottische Whisky angetan. Nach der Erzählung soll dies Inspiration für ihn gewesen sein, einen Whisky nach schottischem Vorbild, aber für den japanischen Gaumen zu kreieren. Er gründete deshalb 1923 die Firma Suntory und mit ihr die erste, nur auf Whisky spezialisierte Brennerei Japans mit dem Namen Yamazaki. Zu Anfang half ihm dabei der in Schottland studierte und ausgebildete Masataka Taketsuru, bevor sich ihre Wege später trennten und Taketsuru die Firma Nikka gründete (die anfängliche Mithilfe des Konkurrenten fand an diesem Abend freilich keine Erwähnung…).

Deconstructing Toki

Der erste Whisky, genannt “Shirofuda”, erschien 1929, war allerdings nicht sonderlich beliebt. Wesentlich besser gelang da schon der 1937 veröffentlichte “Kakubin”, der sogar heute noch produziert wird. Die Produktionsprozesse wurden in der Folgezeit weiter perfektioniert, neue Brennereien folgten, allerdings blieb deren Anzahl gleichwohl überschaubar und man produzierte ausschließlich für den heimischen Markt. Das Prinzip der Kooperation unter den Brennereien war absolut fremd, weshalb man in japanischen Destillen die nötige Vielfalt heute dadurch gewinnt, dass man einfach selbst unterschiedliche Destillate herstellt. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz verschieden geformter Post Stills, noch dazu in unterschiedlichen Größen, verschiedene Lyne Arms, Hefestämme, Getreidesorten und unterschiedlichste Fässer, die bei der Reifung zum Einsatz kommen.

Master Blender Shinji Fukuyo wählte für den Toki Whiskys aus drei verschiedenen Brennereien aus: Yamazaki, Hakushu und Chita. Üblicherweise, so berichtete Mike Miyamoto, bilden Yamazaki Malts die wichtigste Komponente für die eigenen Blends. Der Toki soll zwar die Tradition im Hause ehren, gleichwohl wählte Fukuyo aber für dessen Komposition einen neuen Ansatz.

TOKI bedeutet übersetzt “Zeit”. Der Name spielt darauf an, dass dieser Blend Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet, indem er für authentischen japanischen Genuss steht – so wie Japans Kultur, die althergebrachte Bräuche würdigt und trotzdem modern ist. – Offizielle Pressemitteilung, 17.05.2018

Die drei Säulen des Toki

Eine Säule für den Toki bildet ein leicht getorfter Hakushu Malt, gereift in Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Dieser soll vor allem die fruchtigen Aromen beisteuern. Mit dem Hakushu leitete Mike Miyamoto auch zugleich die Verkostung ein und berichtete den Gästen darüber, dass die Brennerei für ihr besonders weiches Wasser bekannt sei. Zudem habe man seinerzeit die Lage bewusst wegen der dort ausgeprägten Jahreszeiten gewählt, bei denen heiße Sommer und besonders kalte Winter für hohe Temperaturunterschiede im Jahr sorgen.

Global Brand Ambassador Mike Miyamoto

Der Hakushu brachte schöne, hellfruchtige Aromen hervor. Vor allem frische grüne Äpfel und Birnen strömten in die Nase, gepaart mit kräutrigen Noten, Malzzucker, Honig und Vanille. Leicht getorft? Nun ja, so wirklich habe ich den Rauch an diesem Abend nicht wahrnehmen können. Vielleicht dezent im Hintergrund eine Assoziation davon. Insgesamt ein sehr leichter Malt mit ebenso leichtem Körper.

Als Kontrast hierzu wählte Fukuyu als zweite Säule einen Single Grain mit schwerem Körper aus der Brennerei Chita, welcher für die gewünschte Süße sorgen soll. Der Chita überzeugte tatsächlich durch eine ausgeprägte Getreide- und Vanillesüße, sehr dominant und reichhaltig und dabei erstaunlich fest für einen Grain-Whisky.

Direkt im Anschluss ging die Verkostung mit einem Yamazaki weiter. Um die nötige Komplexität und Tiefe zu erreichen, verwendete Fukuyu Yamazaki Single Malt aus spanischen Eichenfässern sowie aus amerikanischen Eichenfässern. Die Gläser vor den Gästen waren mit der spanischen Fassreifung gefüllt. Sehr intensive würzige Eichenaromen, Schokolade und Karamelltoffee dominierten hier.

Nachdem die Teilnehmer sich nun durch die drei Säulen des Toki probieren durften, wartete natürlich noch der eigentliche Protagonist des Abends auf seine Verkostung. Abgefüllt mit 43% vol., ließen sich hier tatsächlich die zuvor probierten Whiskys wiederfinden, wobei nach meinem Eindruck dann doch der Charakter des Grain-Whiskys dominiert. Zunächst süß und fruchtig in der Nase, florale Aromen zusammen mit Vanille und Karamelltoffee sowie würzigen Eichennoten. Insgesamt frisch, leicht und weich. Wie sagt man so schön, ein angenehmer “daily dram”, gefällig und süffig.

Toki und drei Cocktail

An das Tasting schloss sich das kulinarische Rahmenprogramm an, begleitet von einem Exkurs in die Welt der Cocktails.

Toki Highball

Suntory möchte den Highball wiederbeleben, ein Mix aus Whisky, Sodawasser und Eis, der in Japan auch gerne zum Essen getrunken wird. In den 1950er Jahren war er unter den japanischen Whiskytrinkern wegen seiner Frische besonders beliebt, aber auch weil er gut als Begleitung zur japanischen Küche passte.

Für den Highball nehme man ein großes Glas und fülle dies mit 2cl Whisky und Eis. Anschließend verrühren und das Glas weiter mit Eis auffüllen. Sodann 6cl Mineralwasser am Rand des Glases einfüllen, so bleibt die Kohlensäure erhalten und das Eis länger gefroren. Schließlich noch mit einer Scheibe Zitrone oder Grapefruit garnieren.

Neben dem Highball zeugten noch zwei weitere Kreationen von der Kreativität heutiger Barkeeper: Der “Time Flies” wird aus Toki Whisky, Himbeershrub, Azuki Limette, Sojasauce, Falernum und Eiweiss gemixt, während der “San” aus Toki Whisky, Yuzu, Celegio, Litschi Marmelade und Sansho Pfeffer komponiert wird.

Der “Time Flies”

Eine Rundum gelungene Präsentation. Der Toki ist die wohl notwendige wie auch konsequente Antwort in Zeiten der akuten Verknappung japanischer Whiskys, adressiert an eine neue Generation von Whiskygenießern. Ob er sich auch hierzulande behaupten kann, wird sich zeigen. Der avisierte Ausgabepreis von 29,99 € dürfte ihm helfen, einen Markt für sich zu erschließen.

Björn Bachirt

Disclaimer: Transparenz ist mir wichtig! Die Reisekosten wurden zu einem überwiegenden Teil vom Veranstalter getragen. Auf Formulierungen und Inhalt der Berichterstattung hatte dies keinerlei Einfluss.

Link:

Hier gibt es noch ein Youtube-Video, in welchem Benedikt Lüning von whisky.de ein interessantes Interview mit Mike Miyamoto führt:

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