Feinkost Reifferscheid

Genuss, Entspannung, Wohlbefinden sind spontan drei Wörter die mir zum Thema Whisky einfallen. Liebhabern dieser erlesenen Spirituose bieten Bärbel und Lutz Reifferscheid in ihrem Feinkostladen seit nunmehr 20 Jahren ein zu Hause.

Im Herzen von Bonn-Mehlem, direkt gegenüber der malerischen Kulisse des Siebengebirges am Rhein, gibt es eine der deutschlandweit größten Auswahl an schottischen Single Malt Whiskys. Bereits 1890 gründeten die Großeltern den örtlichen Kolonialwarenhandel. Anfang Dezember 1997 öffnete dann der “Genusstempel” seine Pforten, so dass in diesem Jahr Jubiläum gefeiert wird. Heute umfasst das Sortiment ca. 3000 verschiedene Weine und Spirituosen, darunter 2000 Whiskys. Ein umfangreiches Rum- und Cognacsortiment, Gin, Grappa, Obstbrände, exklusive Zigarren in einem begehbaren Humidor, Gewürze, Süßwaren, Olivenöl und Essig lassen für den Genussmenschen wahrlich keine Wünsche offen.

Wie jeder Kunde werde auch ich herzlich empfangen und obwohl der Feierabend für Bärbel und Lutz Reifferscheid nicht mehr fern ist, “setze mer uns hin un schwaade”, wie der Rheinländer sagt. Denn zu erzählen gibt es viel. Neben dem 20jährigen Jubiläum in diesem Jahr steht im Februar 2018 schon der nächste Geburtstag vor der Tür. Mit dem Whiskyhandel fingen beide nämlich schon vor 25 Jahren an. Gelegenheit, noch einmal zurückzublicken.

Führer zu den Quellen

Bärbel und Lutz Reifferscheid hatten schon in ihrem Lebensmittelmarkt mit dem Weinhandel Erfahrungen mit vielschichtigen und komplexen Aromen. Auch ein paar Single Malt Whiskys fanden hin und wieder den Weg ins Regal. Wenn Lutz Reifferscheid an seine Anfänge zurückdenkt, dann fällt ihm insbesondere ein Werk ein, welches ihn maßgeblich inspiriert hat: “Meine Frau schenkte mir damals den “Malt Whisky Guide – Führer zu den Quellen” von Prof. Walter Schobert, einem wahren Whisky-Fachmann. Ich hatte dem zunächst nicht so viel Beachtung geschenkt. Es war vielmehr Bärbel die sich mit dem Buch hinsetzte und anfing, Whiskys aus unserer Sammlung zu verkosten. Wie auch beim Wein fiel ihr sofort die unglaubliche Aromenvielfalt auf. Das machte mich dann doch neugierig. Ich darf also sagen, Prof. Schobert und meine Frau haben mich erst zum Whisky gebracht.”

Ende der 70er Jahre konntest du froh sein, überhaupt einen Importeur zu finden, der schottische Single Malts im Sortiment hatte.

Und dies zu einer Zeit, als der Whiskyhandel in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte – vor der großen Welle durch den Internethandel und die weltweit explodierende Nachfrage. “Es gab in Deutschland vor 30 Jahren eigentlich als bekannte Händler nur Otto Steudel in Nürnberg mit Celtic Whisky, den SCOMA Versandhandel sowie einen Händler in Berlin. Die Bezugsquellen für schottischen Single Malt Whisky waren eher verschlungen, die Anzahl an Importeuren begrenzt. Da warst Du schon froh, wenn Du irgendwo vielleicht mal einen Süßwarenimporteur gefunden hast, der zufällig auch noch ein paar Whiskys im Angebot hatte.”, erzählt Lutz Reifferscheid. Heute ist dies freilich anders, wovon man sich mit einem Blick auf die beindruckende Auswahl in den Whiskyregalen im Ladenlokal überzeugen kann. Dabei fällt mir direkt die hauseigene “Romantic Rhine Collection” auf.

Romantic Rhine Collection

Regelmäßig erscheinen unter diesem Label hauseigene Abfüllungen ausgewählter schottischer Single Malts, fast ausnahmslos in Fassstärke und natürlich naturbelassen. Die Motive für die Etiketten werden für jedes Bottling eigens designed und haben stets einen Bezug zur Region, sind jedoch mittlerweile weit darüber hinaus bekannt.

Romantic Rhine Collection

Die Abfüllungen finden nämlich in regelmäßigen Abständen Erwähnung in den Finenotes von Serge Valentin (Whiskyfun) und in Jim Murray’s jährlich erscheinender “Whisky Bible”. Man mag ja über JIm Murray und die Whisky Bible unterschiedlicher Auffassung sein, eines ist aber unbestreitbar: Die dortigen Bewertungen haben Einfluss auf den Whiskymarkt. 15 Abfüllungen der Romantic Rhine Collection hatten es in die Ausgabe aus dem Jahr 2016 geschafft, neun davon bewertete Jim Murray mit über 90 Punkten. Seitdem erhielten Bärbel und Lutz sogar Anfragen aus Japan, dem Libanon oder Kasachstan.

Pünktlich zum Geburtstag wird das Sortiment der hauseigenen Bottlings natürlich auch um passende Jubiläums-Abfüllungen erweitert. Erschienen ist bereits ein Ben Nevis in Fassstärke mit einem Alter von 20 Jahren, ein 8 jähriger Glenfar…, ach ne, “Green Meadows” und ein Macduff, ebenfalls mit einem Alter von 20 Jahren.

Jubiläumsabfüllung

In Kürze eintreffen werden in dieser Reihe noch exklusive Bottlings aus den Brennereien Highland Park, Benrinnes und Glenlossie, jeweils passend zum runden Geburtstag mit einem Alter von 20 Jahren. Und für 2018 dürfen sich Whiskyliebhaber schon einmal auf Neuerscheinungen von Allt-A-Bhainne, 25 y.o., Glenburgie, 23 y.o. und Caol Ila, 10 y.o. freuen.

Und wenn wir schon über besondere Whiskys sprechen: In diesem Zusammenhang darf natürlich nicht die Aufnahme in den exklusiven Kreis der Ardbeg Embassys fehlen.

 Ardbeg Embassy

Ardbeg Embassy

Im Jahre 2011 wurde Feinkost Reifferscheid von Louis Vuitton Moet Hennessy zu einer von nur sechs Ardbeg-Embassys in Deutschland ernannt. Zur feierlichen Ernennung reiste Lutz Reifferscheid persönlich auf die Hebriden-Insel Islay, um dort sein PhD zu erhalten. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen Doktortitel, sondern um das von Ardbeg verliehene “Peat Head Diploma”. Dafür nimmt man gerne einmal Reisestrapazen in Kauf: “Damals tobte gerade Hurricane Katia über Europa. Da will man eigentlich nicht unbedingt im Flieger sitzen. Aber ein Peat Head Diploma muss man schon persönlich von Mickey Heads entgegennehmen.” 

Mit den Botschaften (engl. embassy) möchte Ardbeg Whiskyliebhabern die Möglichkeit bieten, aktuelle und ältere Abfüllungen der Destillerie exklusiv zu verkosten. Daneben werden diverse Merchandising-Produkte angeboten. Kein Wunder also, dass sich jedes Jahr zum Erscheinungstermin der limitierten Committee-Bottlings lange Schlangen von Ardbeg-Fans vor dem Feinkostladen bilden. Die Einwohner von Mehlem dürften sich an diesen Anblick aber mittlerweile gewöhnt haben.

“Ardbeg-Embassy” so heißt auch der eigens neu eingerichtete Tasting-Raum in unmittelbarer Entfernung zum Feinkostladen. Die Location dient zugleich als Clubraum für den “FoSMB – Friends of Single Malt Bonn” Whiskyclub.

Lutz Reifferscheid gibt mir eine kurze Führung in dem liebevoll, mit eigens angefertigten Holztischen und Bänken, einer gemütlichen Sitzecke und einem antiken Sekretär, eingerichteten Raum. An der Wand fällt mir sogleich die ausgefallene Dekoration auf. Hier hängen handschriftliche Notizen von Whiskyikone Jim McEwan zum Black Art 4 sowie Entwurfszeichnungen für den Relaunch der Marke Bruichladdich im Jahre 2000.

Jim McEwan (ehemals Bowmore, Bruichladdich, nun Ardnahoe) und Lutz Reifferscheid verbindet ohnehin eine ganz besondere Beziehung. “Wir hatten schon Veranstaltungen mit vielen Größen der Branche, wie beispielsweise Grant Carmichael (Distillery Manager u.a. bei The Balvenie, Laphroaig, Springbank, Caol Ila) oder Willie Tait (Jura), John MacLellan (Bunnahabhain & Kilchoman), George Grant (Glenfarclas), Charlie Smith (Talisker u.a.) und eben mit Jim McEwan, der mit uns exklusive Tastings und Charity-Events, etwa für die School of Hope in Kenia, veranstaltet hat. Über die Jahre ist eine echte Freundschaft entstanden.”

Auch im nächsten Jahr stehen wieder zahlreiche Veranstaltungen auf dem Plan. Neben Einsteigerseminaren, einer Verkostung irischer Whiskeys in “Pearls of Ireland” sind als besondere Highlights im ersten Halbjahr das Seminar “Sherry meets Whisky” unter der Moderation von Christoph Dirksen und Stefan Bügler zu nennen, bei dem zunächst sechs verschiedene Sherrys (Manzanilla, Fino, Oloroso, Moscatel, Palo Cortado und Pedro Ximénez) verkostet werden. Anschließend wird anhand von vier Whiskys mit Sherryfasslagerung demonstriert, welchen Einfluss der Sherry auf das Destillat nimmt. So lässt sich geschmacklich nachvollziehen, welche Aromen sich aus dem Sherry in dem Whisky wiederfinden. Und natürlich darf passend zum alljährlichen Ardbeg Day auch ein “Ardbeg Day Special” mit Dr. Benno Ring nicht fehlen, genauso wenig wie ein “Feis Ile Tasting” pünktlich zum Festival.

Für eine vollständige Liste der Veranstaltungen empfehle ich die Homepage von Feinkost Reifferscheid zu besuchen. Bärbel und Lutz Reifferscheid danke ich für den herzlichen Empfang und die vielen kleinen Anekdoten, die sie mit mir geteilt haben.

Das Schlusswort für den heutigen Beitrag möchte ich jedoch diesmal einem anderen überlassen, nämlich Dirk Lunken, Whisky-Connaisseur und FoSM Bonn Mitglied, sowie Inhaber der “Maltkanzlei” und langjähriger Freund von Lutz und Bärbel Reifferscheid:

Feinkost Reifferscheid und damit Lutz & Bärbel sind in der deutschen Whiskywelt seit vielen Jahren eine Institution. Ich freue mich riesig, hier anlässlich ihrer Jubiläen ein paar Worte beisteuern zu dürfen.

Erworben habe ich meine erste Flasche bei ihnen kurz vor Weihnachten 1994. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Jährchen im Thema Whisky unterwegs und ärgerte mich regelmäßig darüber, dass es in Bonn kein wirkliches Fachgeschäft für Spirituosen, speziell Malt Whisky, gab. In der Zeit vor Handy, Internet & Co, glich die Jagd nach gutem Single Malt der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Es ging soweit, dass ich, halb im Spaß, sogar bereits darüber nachgegrübelt hatte, selbst einen kleinen Laden zu eröffnen. Ich wurde allerdings alsbald scheinfrei und Repititorium und das nahe Staatsexamen ließen den Gedanken in Vergessenheit geraten. Ein alter Freund erzählte mir dann, in Mehlem, nicht gerade Bonn Zentrum, gäbe es einen Edeka, der seit einigen Monaten auch hochwertige Single Malts im Angebot habe. Ein Lebensmittelmarkt? Ich war erstmal skeptisch. Ich leitete während des Studiums, um das schmale Budget ein wenig aufzubessern, in Bad Godesberg regelmäßig sogenannte ‘AKO-Pro-Seminare‘ und nutzte die nächstbeste Gelegenheit für eine Stippvisite in Bonns südlichstem Stadtviertel.

Erworben habe ich einen Glendronach 12 und einen großartigen 1975er Signatory Highland Park Dumpy, wenn mich die Erinnerung nicht trügt. Beraten von Herrn Reifferscheid höchstselbst, wir waren damals selbstverständlich noch per Sie, der parallel auch noch zwei ältere, ortsansässige Damen beratungstechnisch mit frischem Gemüse versorgte. Er damals übrigens noch im schicken weißen Kittel.

Ich erinnere mich, dass mir die hochwertigen Malts in der klassischen Marktumgebung zwischen Käse, Fleischtheke und Dosensuppen irgendwie ein wenig fremd vorkamen. Aber völlig egal! Es gab endlich einen echten Whiskyhändler bei uns, der das Thema wirklich ernst nahm und Freude daran hatte – und die Preise passten. Ich hatte meinen Stammhändler gefunden!

Ab 1997 dann auch mit ‘richtigem’ Ladenlokal. Unvergesslich die zahlreichen großen Tastinggalas in den späten 1990ern, für die Lutz Reifferscheid zumeist Walter Schobert als Referent gewinnen konnte. Damals für uns DIE Autorität in Sachen Whisky hier zu Lande. Tolle Erlebnisse auf dem historischen Rolandsbogen, auf dem Rhein, im Bergischen Hof und später sogar im altehrwürdigen Rheinhotel Dresen, immer mit den besten Referenten und mit Line-Ups, die heute schlechterdings unbezahlbar wären. Einfach toll. Allenfalls die späteren Whiskywanderungen durch das Siebengebirge und die legendären Bruichladdich Tastings mit Jim McEwan in den letzten Jahren haben mir noch mehr Spaß gemacht.

Auch für das kommende Jahr stehen wieder reichlich Highlights auf dem Programm. Was mich persönlich bei Reifferscheids immer fasziniert hat und auch heute noch gleichermaßen fasziniert, ist, mit wieviel Spaß sie selbst bei der Sache sind, wie absolut professionell sie selbst im größten Ansturm ihr Geschäft führen und nicht zuletzt, wie konsequent sie ihr Lager aufgebaut haben, so dass ich auch heute noch immer wieder Überraschungen in den Regalen vorfinde und jeder Besuch zum Erlebnis wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Reifferscheids und ihr kleines Team eben ganz traditionsbewusst der klassische ‘Local Dealer‘ im allerbesten Sinne sind, die ihre Kunden im Ladengeschäft persönlich begrüßen möchten und sehr bewusst auf den sonst fast überall anzutreffenden Online-Shop verzichten. Aus dem ‘Händler des Vertrauens‘ wurden über die Jahre und Jahrzehnte Freunde, bei denen nicht nur ich sondern auch meine Familie sich sehr wohlfühlen. Ich wurde, nachdem ich dienstlich wieder zurück ins Rheinland versetzt worden war, vor einigen Jahren Mitglied der ‚Friends of Single Malt Bonn’. Jenem Club, der eine wohl einzigartige Einheit mit dem Ladengeschäft bildet. Wir haben Lutz‘ Geburtstag gemeinsam mit Mickey Heads auf Islay gefeiert und mit dreissig Freunden zu Bärbels Ehren ein Ständchen geschmettert, als sie mir erlaubt hat, an ihrem Geburtstag eine komplette Open Bottle Party zu erwerben, die eigentlich aufgrund des besonderen Ereignisses hätte ausfallen sollen.

Ich wünsche Euch von Herzen noch viele gute Jahre und bleibt bitte einfach so, wie Ihr seid!!

– Dirk Lunken, Dezember 2017

Vielen Dank an Dirk Lunken für den persönlichen Erfahrungsbericht und die netten Grüße.

Björn Bachirt

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